Willensstärke – Wie wir das erreichen, was wir uns vornehmen

Willensstärke, Selbstkontrolle, Disziplin. Dies sind oftmals Eigenschaften, die wir an anderen Menschen bewundern oder von denen wir wünschten, wir könnten sie vorweisen. Insbesondere dann, wenn es um die guten Vorsätze zum neuen Jahr geht. Warum schaffen es einige Menschen, erfolgreich abzunehmen oder mit dem Rauchen aufzuhören? Und warum scheitern so viele?

Gehört Ihr zu der Sorte Menschen, die kontinuierlich ihre Finanzen im Griff haben oder zu denjenigen, die spontanen Kaufräuschen frönen, sich aber dann über den sabotierten Sparplan ärgern?

Der Erfolg ist mit den Willensstarken

Willensstärke gilt gemeinhin als eine positive Charaktereigenschaft von erfolgreichen Menschen. Wir alle kennen die Beispiele von prominenten Leistungssportlern, Pop- und Filmstars oder CEOs, die sich ihren Weg vor allem durch jahrelange Beharrlichkeit und Disziplin nach oben gebahnt haben.

Doch welche Faktoren wirken sich auf die Willensstärke aus?

Kann man Willensstärke eigentlich erlernen oder steigern? Wie kommt es, dass wir trotz besseren Wissens letzten Endes der Tüte Kartoffelchips erliegen?

Roy F. Baumeister und John Tierney gehen in ihrem Buch „Willpower“* diesen Fragen auf den Grund.

Die deutsche Fassung (“Die Macht der Disziplin”) ist hier* erhältlich.

Baumeister promovierte an der Princeton University und zählt weltweit zu den renommiertesten Psychologie-Experten. Tierney schreibt u.a. für die Wissenschaftskolumne „Findings“ der Zeitung The New York Times.

Für die beiden Autoren steht fest: Selbstkontrolle ist der entscheidende Faktor, um all das zu erreichen, was man sich vornimmt. Sie beschreiben die faszinierenden Resultate von Psychologie-Experimenten und erklären, welche Rolle dabei unser Gehirn spielt, wenn wir Verlockungen widerstehen oder uns beherrschen müssen.

Der „Zeigarnik“-Effekt

Ein Aspekt, den ich für mich persönlich mitgenommen habe, ist der so genannte „Zeigarnik“-Effekt. Dieser beschreibt das Phänomen, dass das Unterbewusstsein uns ständig an Dinge erinnert, die noch nicht erledigt sind. Dies kann entsprechend nervig und belastend sein, wenn ständig etwas im Hinterkopf herumschwirrt. (Ich muss unbedingt noch die Pflanzen gießen.)

Entdeckt wurde dieser Effekt von der russischen Psychologie-Studentin Bluma Zeigarnik. Der Legende zufolge besuchte sie Mitte der 20er Jahre ein Restaurant gemeinsam mit Angehörigen der Universität von Berlin. Der Kellner nahm die Bestellungen auf ohne diese zu notieren und servierte alles fehlerfrei dank eines scheinbar großartigen Gedächtnisses. Nachdem alle das Restaurant verlassen hatten, musste eine Person noch einmal zurück, weil sie etwas dort hatte liegen lassen. Doch der Kellner konnte sich weder an die Person erinnern, noch wo diese gesessen hatte. Er erklärte, dass er sich jede Bestellung nur so lange merkte bis das Gericht serviert worden war.

Doch wie kann man den „Zeigarnik“-Effekt nutzen?

Den „Zeigarnik“-Effekt kann man nun beispielsweise bei unerledigten Aufgaben nutzen, indem man einen Plan definiert, wann, wie oder wo die jeweilige Aufgabe erledigt werden soll. Sobald dieser Plan steht, stellt man in seinem Kopf die ständige Erinnerung des Unterbewusstseins ab und kann sich so auf andere Dinge konzentrieren. Mit anderen Worten, bevor die To Dos einen paralysieren, trag sie in einen Kalender ein. So muss man sich nicht sofort um die Aufgaben kümmern und setzt sich nicht unter Druck. (Folglich habe ich jetzt beschlossen, die Pflanzen jeden Sonntag Abend zu gießen.)

Lektüre für Lernwillige

Das Buch ist leichtfüßig und humorvoll verfasst, garniert mit Beispielen prominenter Persönlichkeiten wie Benjamin Franklin, Eric Clapton oder Oprah Winfrey. Anhand von typischen Alltagssituationen wird zudem erläutert, welche Phänomene menschlicher Verhaltensmuster durch sozialwissenschaftliche Experimente bereits ergründet worden sind.

Die Autoren geben wertvolle Hinweise zu Strategien, Hilfsmitteln und Tipps, wie man das eigene Verhalten durch das Wissen um die Mechanismen der Willenskraft beeinflussen kann. Also ein „Must-Read“-Buch für alle, die ihre gesteckten Ziele umsetzen möchten bzw. an der persönlichen Weiterentwicklung arbeiten möchten.