Archives: 9. Oktober 2021

Momente für die Memoiren

Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“

(Cicely Saunders)

Warum erinnern wir uns eigentlich an bestimmte Dinge?

Manche Tage, Wochen, Monate oder gar Jahre ziehen an uns vorbei. Und wir können uns an bestimmte Ereignisse oder Begegnungen kaum erinnern. Hingegen erinnern wir uns alle vermutlich an unseren ersten Kuss oder die erste Klassenfahrt (nach Horn Bad-Meinberg).

Wie kann man besonders schöne Momente im Leben schaffen, die für immer in Erinnerung bleiben?

Genau dieser Frage geht Meik Wiking vom „Happiness Research Institute“ in Kopenhagen nach. In seinem Buch Happy Moments – How to Create Experiences You’ll Remember for a Lifetime*, erschienen im Penguin Verlag, (DE: Die Kunst der guten Erinnerung: Und wie sie uns dauerhaft glücklicher macht*, erschienen im Lübbe Verlag) greift er zahlreiche Datensätze, Befragungen sowie Experimente auf. Wiking beschreibt in acht Kapiteln die Zutaten, um sich dauerhaft an schöne Moment zurückerinnern zu können:

  1. Harness the power of firsts (Etwas zum ersten Mal machen)
  2. Make it multisensory (Mit allen Sinnen erleben)
  3. Invest attention (Die volle Aufmerksamkeit schenken)
  4. Create meaningful moments (Momente von persönlicher Bedeutung schaffen)  
  5. Use the emotional highlighter pen (Emotionale Reaktionen wie einen Textmarker verwenden)
  6. Capture Peaks and Struggles (Meilensteine und die Herausforderungen sammeln)
  7. Use Stories to Stay Ahead of the Forgetting Curve (Geschichten erzählen gegen das Vergessen
  8. Outsource Memory (Erinnerungen aufzeichnen)

Schaue zurück und lächle nach vorn

Warum sollte man sich aktiv damit befassen, sich an schöne Momente zu erinnern? Nun, es gibt in der Glücksforschung die These, dass diejenigen Menschen zufriedener mit ihrem Leben sind, die dazu tendieren, positiv und nostalgisch zurückzublicken in die Vergangenheit. Das bedeutet, langfristig glücklich zu sein, kann davon abhängen, ob man in der Lage ist, seine eigene Lebensgeschichte mit einem positiven Narrativ zu besetzen.

Für den Autor Wiking sind Erinnerungen die Grundpfeiler unserer Identität. Sie seien Superkräfte, mit denen wir durch die Zeit reisen können und uns von der Gegenwart befreien. Sie prägen uns und beeinflussen, wie wir uns verhalten. Folglich wirken sich Erinnerungen auf unsere Stimmung aus und bestimmen somit auch unsere Zukunft. Das erinnert mich übrigens an den Titel eines X-Men Films: Zukunft ist Vergangenheit.

Die dicke Beule vorne im Leben

Schauen wir uns die erste Zutat „Harness the Power of Firsts“ (Etwas zum ersten Mal machen) einmal näher an.

Was ist Deine erste Kindheitserinnerung? Was ist Deine schönste Erinnerung? Was ist das Peinlichste, das Dir je passiert ist?

Oftmals erinnern wir uns an bestimmte Meilensteine im Leben: Die Einschulung, das Seepferdchen-Abzeichen, der erste Freund/die erste Freundin, die Führerscheinprüfung, die Abi-Feier oder der erste Job. Was diese Beispiele gemein haben, ist die Tatsache, dass man sie zum ersten Mal und nur einmal im Leben erlebt.  

Befragt man Senioren, an welche Dinge sie sich erinnern, so können sie sich in der Regel besser an Ereignisse erinnern, die während ihrer Jugend und im frühen Erwachsenenalter aufgetreten sind. Überträgt man dies auf eine Graphik, also die Zahl der Erinnerungen auf der senkrechten y-Achse und die Lebensjahre auf der waagerechten x-Achse, sieht man Folgendes:

Die Erinnerungslinie geht in den ersten drei Lebensdekaden steil nach oben und bildet einen Höhepunkt circa bei den 25er Jahren und fällt dann ungefähr ab dem 30. Lebensjahr deutlich ab. Man sieht sozusagen eine Beule im ersten Drittel des Lebens – deshalb wird das Phänomen auch als Reminiszenzbeule bezeichnet.

Warum ist das so? Hierzu gibt es zwei Theorien:

Zum einen ist die Kindheit, Jugendzeit bis hin zum jungen Erwachsenenalter eine Phase, die uns nachhaltig prägt. Unsere Selbstwahrnehmung und Identität entwickeln sich in dieser Zeit. Die resultierende Lebensnarrative erzählen wir uns und anderen immer wieder, sodass wir uns auch an Dinge aus dieser Zeit gut erinnern können. (Wie heißt Dein Klassenlehrer nochmal? Richtig!)

Die andere Theorie für die Reminiszenzbeule ist, dass man typischerweise in den ersten dreißig Lebensjahren verdammt viel Neues macht. Und neue bzw. außergewöhnliche Erfahrungen sind intensiver und hinterlassen tiefere Eindrücke.

Neues Erleben versus Altes Erleben

Es leuchtet also ein, dass Phasen im Leben ohne neue Aktivitäten, neue soziale Kontakte oder fremde Orte auch weniger zu erinnerungswürdigen Momenten führt. Neues wird von unserem Gedächtnis nachhaltiger festgehalten. Neues verfängt, Routine verflüchtigt sich. Möchte man sich also an schöne Momente gut erinnern können, sind neue Vorhaben ein Garant hierfür.  

Mit dem Wissen um die Zutaten für schöne Erinnerungen kann man gezielt prägende Momente planen. Meik Wiking hat hierzu eine schöne Testfrage, die man sich stellen soll, bevor man sich zum Beispiel für einen Ausflug entscheidet:

Werde ich mich in zehn Jahren daran noch erinnern?“

Denn es spielt eine Rolle, ob der Ausflugsort neu ist, mit wem man dorthin reist, wie man dort hinreist, ob man dort etwas Neues macht, ob man Fotos schießt und hinterher eine Geschichte dazu erzählen kann.

Collect moments not things

Vermutlich kann man die Reminiszenzbeule nicht ganz vermeiden, aber man kann sich bewusst vornehmen, auch die Lebensphasen jenseits der 30 stärker zu bereichern. Es geht natürlich nicht um materiellen Reichtum, sondern um Reichtum an schönen Momenten. Passenderweise fällt mir hier ein Buch ein, dass mir im Kindergarten vorgelesen wurde. Wir sollten uns vielleicht alle die Maus Frederick aus dem gleichnamigen Buch* (u.a. erschienen im Verlag Beltz & Gelberg) zum Vorbild nehmen. Sie sammelt nicht wie die anderen Mäuse Körner und Nüsse, sondern Sonnenstrahlen, Farben und Wörter.

Happy Moments – How to Create Experiences You’ll Remember for a Lifetime*

Die Kunst der guten Erinnerung: Und wie sie uns dauerhaft glücklicher macht*

Frederick*


Gamification – Wäre Dein Leben ein Spiel, hättest Du Bock, es zu zocken?

Kraft-Spiele

Neulich holte ich meinen alten GAME BOY Color aus dem Keller. Er lag in einem Karton zusammen mit ausgemusterten Handys, USB-Kabeln und einem Mini Disc Player. Beim Anschalten erschien zunächst das pixelige Nintendo Banner auf dem gelb-grünen Display. Dann ertönten die vertrauten Starttöne Di Dü. Nostalgie lag in der Luft. Auf einmal war ich wieder ein Kind im Jahr 1989. Konzentriert ordnete ich mittels Steuerkreuz und den Tasten A und B die herabschwebenden Tetris Blöcke an. Sobald ich vollständige Zeilen hatte, lösten sich diese magisch auf. Ich verlor völlig das Zeitgefühl. Je höher das erreichte Level, desto schneller fielen die Blöcke.

Leider verkeilten sich die unpassenden Blöcke und türmten sich allmählich auf. Zwar versuchte ich wieder Herr der Lage zu werden. Zu retten, was noch zu retten war. Doch schon bald war mein Bildschirm gefüllt mit sperrigen Formen, nichts passte mehr zusammen und das Spiel war verloren. Für den lächerlichen Score von 9.538 durfte ich dann meinen Namen eintragen. Mein Ehrgeiz war erwacht. In den kommenden Tagen holte ich den GAME BOY für ein paar Minuten immer wieder hervor und erspielte mir einen neuen Personal Record: 104.208! Und: Es fühlte sich gut an! Ich fühlte mich gut. Neue Kraft war getankt.

Warum hatte ich überhaupt den GAME BOY hervorgekramt? Nun, das lag an meiner Lektüre über Gamification bzw. Gamifizierung. Damit ist die Anwendung spieltypischer Elemente in anderen Lebensbereichen oder Kontexten gemeint. In ihrem Buch SUPERBETTER*, erschienen im Thorsons Verlag, führt Jane McGonigal durch die positiven Effekte und Prinzipien des Spielens. Und sie zeigt, wie man diese auf spielerische Art und Weise überführen kann in das echte Leben.

Denn Spiele können nachweislich dazu beitragen

  • Motivation und Willenskraft zu steigern
  • Schmerzen zu blockieren
  • Angst und Depressionen zu überwinden
  • besser zu lernen
  • mehr Bewegung anzuregen
  • post-traumatischem Stress vorzubeugen
  • die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, Fremden in Not zu helfen
  • stärkere und gesündere Beziehungen zu pflegen

Mit meinem kleinen Tetris Experiment konnte ich beispielsweise zwei Argumente aus dem Buch nachvollziehen:

1) Falls man gestresst ist, kann ein Spiel einem tatsächlich die Sorgen nehmen. Dank des immersiven Spielerlebnisses kann man gezielt auf andere Gedanken kommen bzw. seine negativen Gedanken ablegen. Sogar bei Schmerzpatienten wirken Videospiele nachweislich und sie „vergessen“ quasi ihre Schmerzen.

2) Das positive Gefühl, das man beim Spielen hat, kann sich auf das echte Leben übertragen. In anderen Worten: Wenn man als Mario die Prinzessin aus den Klauen von Bowser rettet oder wie ich bei erfolgreichem Tetris Score eine verpixelte Rakete abfeuert, dann kann dies Wissenschaftlern zufolge sowohl das eigene Selbstbewusstsein fördern als auch die Fähigkeit, Probleme zu lösen. Und zwar nicht nur in der (virtuellen) Spiele-Welt, sondern auch in der Realität.

Moment, aber was ist mit dem Klischee vom übergewichtigen Teenager, der tagelang im dunklen Zimmer vor dem flimmernden Bildschirm sitzt und Monster erschießt? Läuft man hier nicht Gefahr, einer Spielsucht zu verfallen? Nein, das ist damit nicht gemeint. Wenn man die oben genannten Vorzüge von Spielen im Kopf hat und weiß, warum man spielt, ist alles in Ordnung. Autorin McGonigal bezeichnet dies als Play with purpose, d.h. man spielt mit der Intention, sich zu verbessern bzw. für die positive Effekte und nicht, um sich zu betäuben, um vor der Realität zu flüchten.

Living gamefully – Das Leben als Spiel gestalten

Was haben Traumata mit Gamification zu tun? Jeder hat vermutlich schon einmal den Begriff Post-Traumatic Stress Disorder (abgekürzt: PTSD) gehört. Häufig treten diese psychischen Probleme in Form von Depressionen und Angstgefühlen auf nach traumatischen Erlebnissen, beispielsweise bei Kriegsveteranen oder Unfallopfern. Es gibt jedoch auch Personen, die sich gestärkter und zufriedener fühlen als vor dem einschneidenden Ereignis. In diesen Fällen spricht man von Post-Traumatic Growth (PTG). Anscheinend erfahren diese Menschen aufgrund der Trauma-Bewältigung eine Art persönliche Erleuchtung.

So lauten die fünf häufigsten Aussagen von Post-Traumatic Growth Personen

  1. Meine Prioritäten haben sich verschoben. Ich habe keine Scheu mehr, das zu tun, was mich glücklich macht.
  2. Ich habe eine engere Beziehung zu Freunden und Familie.
  3. Ich kenne mich selbst besser. Ich weiß, wer ich wirklich bin.
  4. Ich habe ein neues Verständnis davon, was meinem Leben einen Sinn gibt.
  5. Ich kann mich besser auf meine Ziele und Träume konzentrieren.

Autorin McGonigal bezeichnet diese fünf Merkmale als die positiven Vorzüge von PTG. Gleichzeitig weist sie aber auch darauf hin, dass es nicht zwangsläufig ein Entweder-oder zwischen PTSD und PTG gibt. Vielmehr handelt es sich um verschiedene Phasen, die man in der Trauma-Bewältigung erreichen kann. Wie sie weiter in ihrem Buch feststellt, bilden die positiven Aussagen der „Trauma-Survivors“ interessanterweise einen Kontrast zu dem, was Ottonormalbürger am Sterbebett äußern. Denn was bedauern Menschen am Ende ihres Lebens typischerweise am meisten? Die Australierin Bronnie Ware hat jahrelang in einem Hospiz gearbeitet und sich mit Kollegen aus der ganzen Welt ausgetauscht.

Dies sind die fünf häufigsten Dinge, die Sterbende bedauern

  1. Ich wünschte, ich hätte nicht so viel/hart gearbeitet.
  2. Ich wünschte, ich hätte mehr Kontakt zu meinen Freunden gehalten.
  3. Ich wünschte, ich hätte mir selbst erlaubt, glücklich zu sein.
  4. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein wahres Selbst zum Ausdruck zu bringen.
  5. Ich wünschte, ich hätte ein Leben geführt, wie ich es mir erträumt hatte und nicht, wie andere es von mir erwartet haben.

Als ich die PTG-Aussagen las, fühlte ich mich in gewisser Weise ertappt und schlecht, weil ich sie für mich nicht voll umfänglich reklamieren konnte. Die zweite Liste mit den Bedauern hatte zusätzlich noch einen abschreckenden Effekt bei mir: Oh Gott, wie kann ich verhindern, dieselben Dinge zu bedauern? Ich muss etwas unternehmen…!

Gains without Pains – Grenzerfahrung ohne Trauma

Die brennende Frage, die sich mir ebenfalls stellte: Schön und gut, aber muss ich mich jetzt in einen tragischen Verkehrsunfall verwickeln, um die postiven Vorzüge von PTG zu erfahren? Erfreulicherweise gibt McGonigal auch direkt eine Antwort: Es ist möglich, die Vorzüge von PTG zu empfinden, und zwar ohne traumatisches Erlebnis. Man muss im Grunde ein traumatisches Erlebnis ersetzen durch eine nicht-schädigende, jedoch ähnlich extreme Erfahrung bzw. eine herausfordernde (neue) Aktivität im Leben.

Was dies sein kann, ist natürlich individuell zu entscheiden. Für die einen ist es ein Marathon-Lauf, ein Start-up zu gründen, ein Kind zu bekommen, mit dem Rauchen aufzuhören, ein Buch zu schreiben oder die Welt zu umsegeln. Wissenschaftler sprechen hier von Post-Ecstatic Growth (PEG). Anstatt darauf zu „warten“, dass ein traumatisches Ereignis das eigene Leben auf den Kopf stellt und auf PTG zu hoffen, geht man hin und kultiviert aktiv PEG. Wie man das macht? Indem man sich bewusst ein wichtiges Vorhaben vornimmt und es in die Tat umsetzt, was gleichzeitig stressig und herausfordernd ist. Hier schlägt McGonigal den Bogen zurück zum Thema Gamification / Gamifizierung.

The Game of Life – Die sieben Spielregeln für Gamification

Ihr zufolge gibt es sieben Prinzipien/Regeln, die zu PEG beitragen können. Und diese Prinzipien sind gewöhnlicherweise dieselben, wie wir sie beim Spielen wiederfinden:

  1. Fordere Dich. (Adopt a challenge mindset. Accept the challenge to play.)
  2. Sammle und aktiviere Trophäen. In anderen Worten: Tue Dinge, die Dir mental und physisch gut tun. Bei Mario Kart ist es der Stern, der einen unverwundbar macht. Ist die Zahl der positiven Gefühle am Tag größer im Verhältnis zu den negativen Gefühle, so sind wir resilienter und zugänglicher für positive Gefühle. Stichworte: Vagusnerv, Vagalton. (Collect and activate power-ups.)
  3. Finde und bekämpfe die Bösewichter. Übertragen auf das echte Leben sind das beispielsweise negative Hirngespinste oder die Schweinehunde. Stichwort: Psychological Flexibility. (Find and battle the bad guys.)
  4. Nimm Dir Aufgaben vor und absolviere diese. Die Idee ist hier, dass kleine Schritte zum Gesamtprozess besteuern. Man absolviert die verschiedenen Level und schreitet voran. (Seek out and complete quests.)
  5. Rekrutiere Verbündete. Man hat jemanden, mit dem man seine Erfahrungen teilen kann und erhält Hilfestellung. Stichwort hier ist auch „Accountability Partner“. (Recruit your allies.)
  6. Nimm eine geheime Identität an. Wenn man sich selbst als Held seines eigenen Lebens betrachtet, lernt man, seinen Fähigkeiten zu vertrauen und diese zu trainieren. (Adopt a secret identity.)
  7. Strebe nach einem epochalen Sieg. Man setzt sich mittel- oder langfristig ein Ziel, das messbar und herausfordernd ist. (Go for an epic win.)

Mithin ist McGonigal überzeugt: Man wird stärker, glücklicher, mutiger und resilienter, wenn man nach diesen sieben Spielregeln lebt. Um dies in die Praxis umzusetzen, spickt sie das Buch mit fast 100 Aufgaben für die Leser und widmet sich im dritten Hauptkapitel der Frage, wie man die großen Bereiche Beziehungen, Gesundheit und Zeit besser gestaltet.

Derweil bin ich weiter auf der Suche nach einem Tetris-Kontrahenten, der meinen Rekord schlägt.


SUPERBETTER – A Revolutionary Approach to Getting Stronger, Happier, Braver and More Resilient


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Dankbarkeit für ein besseres Leben

Dankbarkeit ist eine gute Medizin

Neulich sagte ein Freund zu mir: „Wenn man während der Pandemie im Home Office ist, kann man über zwei Dinge froh sein: Erstens, man hat ein Dach über dem Kopf und zweitens, man hat Arbeit.“ Ich pflichtete ihm bei. Sich immer wieder seiner Privilegien bzw. der positiven Dinge im eigenen Leben bewusst zu werden, kann dabei helfen, die Dinge in ein gesundes Verhältnis zu rücken.

Fehlt uns jegliche Wertschätzung und Dankbarkeit, sind wir weniger geschützt vor destruktiven Empfindungen und Gedanken wie Neid, Ärger, Stress, Gier und Bitterkeit. Dankbarkeit hilft uns, mehr Verständnis und Empathie anderen Menschen gegenüber aufzubringen sowie Freude für die positiven Dinge im Leben zu empfinden.

In seinem Buch Thanks! How Practicing Gratitude Can Make You Happier* (erschienen im Houghton Mifflin Verlag), dt Fassung: Vom Glück, dankbar zu sein.: Eine Anleitung für den Alltag* (erschienen im Campus Verlag) erläutert Dr. Robert A. Emmons, wie wir Dankbarkeit trainieren können und wie sich dies positiv auswirkt auf unsere Psyche, Gesundheit und zwischenmenschlichen Beziehungen. Dr. Emmons lehrt an der University of California und ist Chefredakteur des Journal of Positive Psychology.

Was bedeutet Dankbarkeit?

Wikipedia sagt: Dankbarkeit ist ein positives Gefühl oder eine Haltung in Anerkennung einer materiellen oder immateriellen Zuwendung, die man erhalten hat oder erhalten wird. Man kann dem Göttlichen, den Menschen oder sogar dem Sein gegenüber dankbar sein, oder allen zugleich.

Das englische Wort für Dankbarkeit lautet Gratitude, abgeleitet aus dem Lateinischen (gratus = dankbar, angenehm, anmutig, erwünscht, willkommen). Für das Verständnis von Gratitude sind laut Dr. Emmons zwei Aspekte wichtig:

1. Das Positive im Leben anerkennen (Acknowledging)

Man bestätigt, dass es sich insgesamt lohnt, zu leben. Dass das uns Gegebene einen Wert hat und uns befriedigt.

2. Realisieren, dass wir Positives nicht immer uns selbst zu verdanken haben (Recognizing)

Dankbarkeit ist somit nicht nur ein positives Gefühl, sondern die Bereitschaft, anzuerkennen, dass

  • man ein Nutznießer der Güte anderer ist
  • der/die Wohltäter bewusst etwas angedient hat/haben, oftmals unter persönlichem Aufwand
  • das Angediente für den Nutznießer von Wert ist

Dankbarkeit bedeutet auch, bescheiden zu sein. Zu realisieren, dass wir ohne die Hilfe oder Unterstützung anderer Menschen nicht so weit gekommen wären im Leben bzw. dass wir nicht das Leben führen könnten, wie wir es tun. In anderen Worten: Dankbar sein ist ein Dreiklang aus realisieren, anerkennen und wertschätzen.   

Gratitude is an Attitude – Dankbarkeit ist eine Haltung

Dankbar zu sein ist eine Lebenseinstellung. Wir können uns aktiv dafür entscheiden. Dies hängt nicht von den tatsächlichen Lebensumständen ab, wie gesund, wie reich wir sind oder wie viele Freunde wir haben. Wir bestimmen, welche positiven Aspekte unseres Lebens wir bewusst anerkennen wollen anstatt negativen Aspekten anzuhängen. Indem wir wertschätzen, welche Geschenke uns das Leben bereitet, befreien wir uns beispielsweise von Bedauern über die Vergangenheit, Sorgen um die Zukunft und Neid darüber, was andere haben oder Enttäuschung darüber, wer wir nicht sind. Dankbarkeit macht das Leben nicht perfekt, aber sie erinnert uns an das Gute im Leben. Dies ist nicht immer einfach und erfordert Arbeit.  

Wie glücklich wir sind, hängt von drei wesentlichen Faktoren ab: Zu

  • 50 % von unserer Prädisposition (Set-Point)
  • 40 % von unseren Handlungen (Intentional Activity)
  • 10 % von äußeren Umständen (Circumstances)

Die Untersuchungen von Dr. Emmons haben gezeigt, dass man durch die regelmäßige Praxis, Dankbar zu sein, den Happiness Set-Point um 25 % steigern kann.   

Dankbarkeit kann man trainieren

Dr. Emmons präsentiert am Ende des Buches zehn Übungen, die erwiesenermaßen dabei helfen, mehr Dankbarkeit zu empfinden. Der Effekt der Übungen verstärkt sich gegenseitig. Hier eine kurze Auswahl:

1. Führe ein Dankbarkeits-Tagebuch

Reflektiere und notiere täglich die Dinge, für die Du dankbar bist (z.B. Interaktionen, Erlebnisse, Geschenke, Komplimente, etc.). Diese Einträge können auch super kurz sein.   

2. An schlechte Zeiten denken

Erinnern wir uns an Zeiten und Situationen zurück, in denen es uns nicht gut ging oder wir es besonders schwer hatten. Vergleichen wir dies nun mit unserer jetzigen Situation, führen wir uns einen Kontrast vor Augen, der uns hilft, dankbarer zu sein.  

3. Naikan (Looking Inside) – Stelle Dir 3 Fragen

Bei der buddhistischen Meditationstechnik von Yoshimoto Ishina soll man sich täglich diese drei Fragen stellen:

1. Was habe ich von wem erhalten? (gifts received)

2. Wem habe ich was gegeben? (what we give to others)

3. Habe ich jemandem Schwierigkeiten und Probleme bereitet? (source of others’

suffering)

In einem Brief an seine Eltern schrieb der Theologe Dietrich Bonhoeffer 1943 diese Zeilen: „Im normalen Leben wird einem oft gar nicht bewusst, dass der Mensch überhaupt unendlich mehr viel mehr empfängt, als er gibt, und dass Dankbarkeit das Leben erst reich macht.“

Du kannst froh sein, dass…“ und „Du kannst von Glück reden, dass…“. Dies sind mahnende Aussprüche, die wir oft hören, wenn Freunde oder Familie uns daran erinnern, wie gut wir es eigentlich haben. Wir sollten uns vornehmen, uns aktiv selbst daran zu erinnern.  

Wofür / Wem bist Du heute dankbar?

Thanks! How Practicing Gratitude Can Make You Happier*

Vom Glück, dankbar zu sein.: Eine Anleitung für den Alltag*


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Von Nazis, Konfuzius und einer Schildkröte – Tipps für Gipfelstürmer

Innovation ist überbewertet

Du hast ein Ziel. Das Unternehmen hat ein Ziel. Du willst Dich neu erfinden. Die Firma braucht einen Wandel. „Innovation“ ist das inflationär verwendete Wort. Oftmals ist der Wunsch nach Innovation verbunden mit radikalem Wandel. Das Ruder muss herumgerissen werden. Wir brauchen einen „Game Changer“, und zwar schnell. Viel reinbuttern, um innerhalb kürzester Zeit die erwünschten Resultate zu erzielen. Das Entlassen eines Großteils der Belegschaft tut zwar weh, aber es dient dem Ziel. Wir müssen jetzt extrem viel investieren, damit es sich auch auszahlt. Eine solche Strategie des radikalen Wandels, der Innovation, kann gelingen. Sie kann auch scheitern. Die Fallhöhe ist entsprechend hoch und schmerzhaft.

No pain but gain? Die gute Aussicht genießen ohne abzustürzen

Robert Maurer zeigt in seinem kleinen Büchlein „The Kaizen Way“ (Verlag Workman Publishing, deutsche Fassung erschienen im FinanzBuch Verlag) auf, dass es eine Alternative gibt. Man muss den Berg nicht an seiner steilen Seite erklimmen (und sich verausgaben oder gar abstürzen). Der Autor betont also, dass der radikale nicht der einzige Weg ist. Man kann stattdessen einen Pfad wählen, bei dem man gemütlich den Berg hinaufspaziert und den Gipfel erreicht. Das weiß auch die Schildkröte (doch dazu später mehr).

Der Psychologe Maurer hat als Associate Clinical Professor an der UCLA School of Medicine und Unternehmensberater zahlreichen Ärzten, Patienten und Firmen geholfen, das Kaizen-Prinzip erfolgreich anzuwenden. Doch wer oder was ist Kaizen?

Kaizen: US-Export, Japan-Import

Die Idee, dass man sich eine größere Aufgabe portionsweise vornimmt, um sie zu bewältigen, ist nicht neu. Schon Konfuzius wusste vor mehr als 2.500 Jahren: Auch eine Reise von 1.000 Meilen beginnt mit einem einzigen Schritt. Aber die systematische Anwendung dieses Prinzips in der Moderne geht zurück auf den Amerikaner Dr. W. Edwards Deming. 1940: Die Nazis besetzen Frankreich. Während des Zweiten Weltkrieges musste die US-Produktion militärischer Ausrüstung dringend um ein Vielfaches hochgefahren werden, um den Alliierten beizustehen. Doch die USA waren noch gezeichnet durch die Weltwirtschaftskrise. Erschwerend hinzu kam, dass qualifiziertes Personal in den Produktionsstätten fehlte, weil es zum Militär eingezogen wurde.

Als Lösung ließ die US-Regierung sogenannte „Training Within Industries“ (TWI) Managementkurse entwickeln. Einer dieser Kurse vermittelte den Ansatz der kontinuierlichen Verbesserung durch kleine Einzelmaßnahmen. („Look for hundreds of small things you can improve. / There is no time for major items.“) Größere Posten sollte man vernachlässigen und stattdessen sich konzentrieren auf vorhandene Dinge, die man verbessern konnte. Dr. Deming wies Führungskräfte an, jeden einzelnen Mitarbeiter auf jeder Ebene einzubinden, um Arbeitsabläufe zu optimieren. Mit diesem Ansatz der kleinen Schritte konnten die Produktionskapazitäten rasant beschleunigt werden.

Nach der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg begann die US-Besatzung unter General Douglas MacArthur den Wiederaufbau des Landes. Um die Management-Skills und Arbeitsmoral in Japan war es schlecht bestellt. Die TWI-Experten wurden auf Geheiß von MacArthur nach Japan entsandt, um die japanischen Manager fit zu machen. Auch Dr. Deming reiste in den 50er Jahren nach Japan, um seine methodischen Ansätze zu vermitteln. Dies hat die japanische Business culture so sehr geprägt, dass die Japaner dieser Lebens- und Arbeitsphilosophie einen eigenen Namen gaben: Kaizen 改善 (kai „Veränderung, Wandel“, zen „zum Besseren“).

Ein Blick in die Kaizen-Werkzeugkiste: Bohren mit kleinen Fragen!

Zu den effektivsten Kaizen Techniken zählen kleine Fragen. Sie schaffen ein mentales Umfeld, in dem man der Kreativität ungeniert freien Lauf lassen kann ohne sich dem Druck, der Bedenken oder Sonstigem auszusetzen.

Maurer schildert in seinem Buch u.a. einen Fall, in dem eine Führungskraft ihr Team regelrecht anblaffte mit der Frage, WAS jeder Einzelne für die Firma zusätzlich beitragen könne, damit sie führend in der Industrie werden könne. Doch anstatt die erwünschten Vorschläge zu erhalten, herrschte überwiegend nur Schweigen. Die global galaktisch formulierte Frage, verbunden mit der fordernden Tonalität, erzeugte nur lediglich Druck, Überforderung und eine Schockstarre unter der Belegschaft. Daraufhin empfahl Maurer der Führungskraft, die Frage in einem gemäßigterem Ton vorzubringen und sie weniger „bedrohlich“ zu formulieren: „Fällt Euch irgendeine noch so kleine Maßnahme ein, die unsere Arbeitsabläufe oder unser Produkt verbessern könnte?“ Zum Erstaunen der Führungskraft machte dies einen entscheidenen Unterschied. Die Mitarbeiter lieferten kleine Verbesserungsvorschläge, die unmittelbar umgesetzt wurden. Dies hob die Produktivität und Arbeitsmoral auf die nächste Ebene.

Durch wiederholtes Fragen können wir unser Gehirn (im sog. Hippocampus) entsprechend programmieren, sodass es ständig damit beschäftigt ist, Antworten auf diese Fragen zu erzeugen. Hier gibt es jedoch eine Einschränkung: Wenn die Frage in uns Angst erzeugt, wird der „Fight or Flight“-Modus in der Gehirn-Mitte (sog. „Amygdala“ – altgriechisch ἀμυγδάλη, Mandel) aktiviert. Dieser Alarm-Modus stoppt unsere Kreativität und analytisches Denken.

Um die ängstliche Amygdala nicht aufzuschrecken, sollte man daher am besten Fragen à la Kaizen stellen, d.h. kleine Fragen stellen, die verdaulich sind und nicht zu fordernd. (Ein Grund dafür, warum Quizspiele und Kreuzworträtsel Spaß machen!) Typische Kaizen-Fragen beginnen daher mit: „Was kann ich mit geringstem Aufwand (sofort) tun, um …“ oder „Welchen kleinen Schritt kann ich unternehmen, um …“.

Die Merkregel von Maurer lautet daher: „Shhh… Don´t Wake the Amygdala!“
Also am besten nimmt man den kleinsten Fragen-Bohraufsatz, um das Vorhaben anzugehen.

Die Schildkröte kommt immer ans Ziel

Meine kleine Tochter mag das Bilderbuch „Der schnelle Hase und die langsame Schildkröte“ (nach einer Fabel von Äsop, Orrell Füssli Verlag). Der Hase legt während des Wettrennens zwischenzeitlich eine Pause ein, weil er sich angesichts seines Vorsprungs siegessicher ist. An der Stelle sagt sie dann immer: „Papa, der Hase geht ins Bett.“ Und ich sage: „Ja, der schläft am Baum ein.“ Und wenn die Schildkröte ganz langsam an ihm vorbeizieht, ist meine Tochter ganz entzückt. Wir sind natürlich Team Schildkröte. (Der Hase ist aber auch echt arrogant.)

Halten wir fest: Um etwas zu verbessern oder einen Wandel herbeizuführen, stehen uns grundsätzlich zwei Strategie-Ansätze zur Verfügung – Kaizen oder Innovation. Während Innovation von uns oftmals einschneidende und radikale Veränderungen abverlangt, führt Kaizen uns mit kleinen, sanften Schritten und Fragen in die gewünschte Richtung (auf den Gipfel).

The Kaizen Way

Der Weg des Kaizen


Oh, wie schön ist Panama – mit geistiger Haltung auf Reisen gehen

Horst gab nicht auf

Letzte Woche feierte Kinderbuchautor und Illustrator Janosch seinen 90. Geburtstag. Ein Zeitungsartikel titelte: „Der Übermut der Unterschätzten“. In der Tat wurde Horst Eckert unterschätzt, so heißt Janosch mit bürgerlichem Namen. Denn er wurde wegen mangelnder Begabung von der Akademie für Bildende Künste in München verwiesen.

Wer hätte bei dieser Ausgangslage damit gerechnet, dass der verstoßene Janosch später millionenfach Kinderbücher in 40 Sprachen verkaufen würde?

Gut für Janosch (und für Generationen von Kindern), dass er sich dem Urteil der Lehrenden offensichtlich nicht angeschlossen hat und an sich selbst geglaubt hat. Interessant ist auch die Tatsache, dass ihm der Durchbruch erst spät mit 47 Jahren gelang, mit der Veröffentlichung des Buches „Oh, wie schön ist Panama*“.

Menschen ändern sich nie

Nein, dies ist keine Kinderbuchempfehlung (aber an alle Groß-Eltern/Tanten/Onkel): Es ist ein wunderschönes Kinderbuch!). Es geht um die Frage, wann wir unser volles Potenzial ausschöpfen. Welche Rolle spielt hierbei das eigene Selbstbild? Eltern, Lehrer und Freunde, Vorgesetzte oder andere Autoritätspersonen haben einen erheblichen Einfluss darauf, wie wir uns selbst sehen. Wie wir mit diesen Urteilen über unsere Person umgehen oder wie wir selbst über unsere Fehler und Rückschläge denken, all das bestimmt unser Selbstbild. Dieses ist maßgeblich dafür verantwortlich, ob wir die Dinge als unumstößlich betrachten oder ob wir positiven Wandel für möglich halten.

Dr. Carol Dweck, eine der weltweit führenden Expertinnen für Motivations- und Entwicklungspsychologie beleuchtet in ihrem Buch „mindset – Changing the way you think to fulfil your potential*“ (Dt. Fassung: Selbstbild: Wie unser Denken Erfolge und Niederlagen bewirkt*) das Thema Selbstbild. Die Autorin hat u.a. als Professorin für Psychologie an der Columbia University und Stanford University gelehrt. Ihr Buch (erschienen in den Verlagen Robinson und Piper) liegt inzwischen in der 11. Auflage vor und wurde über 1 Million Mal verkauft. Dr. Dweck beschreibt in ihrem Buch zwei „Glaubens“-Typen bzw. zwei geistige Haltungen, die je nach individueller Prägung dominieren:  

  • Growth Mindset (GM)
  • Fixed Mindset (FM)

Der GM basiert auf der Vorstellung, dass man grundlegende Eigenschaften durch drei Dinge kultivieren kann:

  • Anstrengung (hard work)
  • (neue) Strategien (trying new strategies)
  • Unterstützung durch andere (seeking help/input from others)

Menschen mit einem FM sind hingegen davon überzeugt, dass grundlegende Eigenschaften wie Intelligenz und Persönlichkeit von vorne herein in Stein gemeißelt sind und dass sich daran nicht rütteln lässt.

Um dies zu verdeutlichen, soll der Leser folgendes Gedankenspiel unternehmen:

Man soll sich in einen jungen Menschen versetzen, der einen richtig schlechten Tag erlebt. Zunächst erhält derjenige eine schlechte Benotung vom Dozenten. Anschließend kassiert er noch einen Strafzettel. Frustriert ruft er seinen besten Freund an, der ihn jedoch kurzerhand absägt.

Wie würdet Ihr Euch in der Situation fühlen – welche Gedanken kämen Euch in den Kopf?

Eine Person A mit einem FM würde vermutlich denken: „Ich bin so ein Versager.“ „Wieso erwischt es gerade mich?“ „Ich bin ein Idiot.“ „Die Welt ist gegen mich.“ und sich für den Rest des Tages im Bett verkriechen.

Eine Person B mit einem GM in derselben Situation würde denken: „Ich muss mich noch mehr anstrengen in dem Kurs.“ „Ich überweise schnell das Geld für den Strafzettel.“ „Ich melde mich später bei meinem Freund und frage, was da los war.“

Im Ring(en) um sich selbst – Don’t beat yourself up

Der entscheidende Unterschied ist also, dass Person B die Dinge objektiv(er) betrachtet, sich nicht selbst über Gebühr (negativ) aburteilt und diese Erfahrungen als Lektionen für’s Leben betrachtet. Person A nimmt es hin. Person B nimmt es sportlich.

Carol Dweck widmet sich in vier Hauptkapiteln ausführlich den Bereichen Sport, Beruf, Beziehungen sowie Erziehung. Sie veranschaulicht anhand von vielen Praxisbeispielen, auf welche Weise die Denkmuster der beiden Geisteshaltungen greifen. Dabei ist es bemerkenswert zu sehen, wie verheerend sich ein FM und wie konstruktiv sich ein GM auf die persönliche Weiterentwicklung, Arbeitsleistung (sogar die ganzer Firmen) oder auf die Charakterbildung von Kindern auswirken kann. Besonders bei der Art und Weise, wie man Kinder lobt gilt es, so einiges zu beachten. Es ist nämlich besser, ein Kind für seine Bemühungen, seinen Lernfortschritt und Experimentierfreudigkeit zu loben (GM) als nur festzustellen, wie clever es ist oder wie gut es etwas gemacht hat (FM).   

Den inneren Schalter umlegen – Von Fixed auf Growth

Wenn man nun bei sich selbst den Hang zu einem FM erkannt hat und stattdessen einen GM als Idealbild anstrebt, gelingt dies nicht über Nacht. Eine bloße Ankündigung bzw. das bloße Vorhaben, so Dweck, reiche hier nicht aus. Es sei vielmehr ein längerer Prozess, bei dem man ständig mit sich selbst ringt. Es gilt, sich selbst zu beobachten und beim inneren Monolog den Schalter umzulegen, von dem urteilenden Selbst auf ein wachstumsorientiertes Selbst. Um einen GM zu fördern, kann man sich täglich auf’s Neue solche Fragen stellen:

  • Was habe ich heute gelernt?
  • Welche Fehler haben mich heute etwas gelehrt?
  • Was werde ich beim nächsten Mal anders machen?
  • Was habe ich mir angeeignet, was ich gestern noch nicht wusste oder konnte?   

In der Filmkomödie „Und täglich grüßt das Murmeltier*“ (EN: Groundhog Day*) kann man auf sehr unterhaltsame Weise dem Wettermann Phil Connors (gespielt von Bill Murray) zuschauen, wie er eine Persönlichkeitsentwicklung durchmacht, weg vom FM hin zu GM.

Dieses Diagramm von Nigel Holmes veranschaulicht den FM und den GM:

https://bfy.tw/QXZT („Google-Suche bestätigen“ klicken)

Janosch und seine Figuren verkörpern für mich ganz eindeutig einen Growth Mindset. Die angebliche mangelnde Begabung hat Janosch nicht davon abgebracht, seine Figuren auf ihre Reise zu schicken. Denn der kleine Tiger und der kleine Bär bleiben schließlich auch nicht gleich zu Hause. Nein, sie machten sich auf den Weg nach Panama.

mindset – Changing the way you think to fulfil your potential

Selbstbild: Wie unser Denken Erfolge und Niederlagen bewirkt


Gustav Gans, Donald Duck und Tetris


Als Kind habe ich die Comic-Reihe Lustiges Taschenbuch* geliebt. Insbesondere die Geschichten, in denen Pechvogel Donald Duck sich gegen seinen Cousin und Rivalen Gustav Gans behaupten muss. Gustav, dem ewigen Glückspilz, fliegen die Dinge mühelos zu. Er geht froh gelaunt durch’s Leben und muss sich nie mit Sorgen oder gar lästiger Arbeit quälen. Über Donald hängt hingegen eine dunkle Regenwolke. Seine drei Neffen tanzen ihm auf der Nase herum. Zudem ist er ständig von Geldsorgen geplagt und muss widerwillig die Aufgaben erledigen, die ihm sein Onkel Dagobert überträgt.

Drei Zutaten für’s Glücklich sein

Aber anstatt den Umständen die Schuld an seiner Misere zu geben, was kann Pechvogel Donald tun, damit es ihm besser geht? Hier hat die Wissenschaft gezeigt, dass der alte Kalenderspruch „Jeder ist seines Glückes Schmied“ tatsächlich stimmt.   

In seinem Buch „The Happiness Advantage – The Seven Principles that Fuel Success and Performance at Work”* – Virgin Books (Deutsche Fassung: Das Happiness-Prinzip: Wie Sie mit 7 Bausteinen der Positiven Psychologie erfolgreicher und leistungsfähiger werden* – Unimedica Verlag) stellt Shawn Achor sieben Prinzipien aus der Positiven Psychologie vor, mit jeweils praktischen Tipps zur Anwendung.

Shawn Achor hat als Studienassistent den damals beliebtesten Kurs an der Harvard University (über Happiness) zusammen mit seinem Mentor Tal Ben-Shahar entwickelt und gelehrt.

Natürlich hat jeder seine persönliche Vorstellung von Glück. Gemeint ist hier allerdings nicht das Glück (EN: Luck), in der Lotterie zu gewinnen, sondern Glücklich sein (EN: Happiness). Die Wissenschaft definiert Happiness u.a. als das Erleben von positiven Gefühlen – Freude gepaart mit tiefen Gefühlen der Relevanz und Sinnhaftigkeit. Glücklich sein bedeutet also auch einfach gesagt, gute Laune im Hier und Jetzt zu haben und positiv in die Zukunft zu blicken. Happiness besteht nach einem der wissenschaftlichen Väter der Positiven Psychologie Martin Seligmann aus der Kombination von drei Komponenten:

  • Freude (Pleasure)
  • Engagement
  • Zweck (Purpose)

Laut Achor ist Glücklich sein mehr als nur ein gutes Gefühl. Es ist die unverzichtbare Zutat für Erfolg.

Glück oder Erfolg – Um was dreht es sich hier?   

Im 16. Jahrhundert widersprach der preußische Arzt und Astronom Nikolaus Kopernikus der bis dato vorherrschenden Weltanschauung, dass sich die Erde im Zentrum des Universums befände und dass die Sonne sich um die Erde drehen würde. Die Tatsache, dass es sich genau umgekehrt verhält, war damals im wahrsten Sinne des Wortes eine bahnbrechende Erkenntnis.

Eine ähnliche grundlegende Erkenntnis-Umkehr findet seit den 1990er Jahren auf dem Gebiet der Psychologie statt. Seit Generationen wurde angenommen, dass Glück um Erfolg kreist. Mit anderen Worten: Wenn Du hart genug arbeitest, wirst Du eines Tages auch erfolgreich sein. Und wenn Du erfolgreich bist, dann bist Du glücklich. Das Glück winkte sozusagen am Ende der Anstrengungen als Belohnung. Doch die Forschung in den Bereichen der Positiven Psychologie und Neurowissenschaften hat mittlerweile gezeigt, dass es genau umgekehrt ist:

Erfolg kreist um Glück.

Nur wenn wir uns glücklich fühlen und positiv eingestellt sind, sind wir erfolgreich. Erfolg ist sozusagen nur ein Beiprodukt von Glücklich sein. Und dies gilt für nahezu jeden Lebensbereich, sei es Karriere, Gesundheit, Freundschaft, Beziehungen, gesellschaftliche Teilhabe oder Kreativität. Unser Gehirn ist am leistungsfähigsten, wenn wir positiv eingestellt sind und nicht, wenn wir neutral oder negativ eingestellt sind. D.h. wenn wir glücklich sind bzw. gute Laune haben und positiv eingestellt sind, sind wir klüger, motivierter und somit auch erfolgreicher. Doch dazu später mehr. Glück steht im Zentrum, Erfolg kreist in der Umlaufbahn von Glück. Um es nochmals deutlich zu sagen: Glücklich sein ist ursächlich für Erfolg, nicht umgekehrt!

Wie die Tetris-Welt unsere Realität bestimmt

In einer Studie der Harvard Medical School sollten 27 Probanden für mehrere Stunden täglich Tetris spielen. An drei aufeinanderfolgenden Tagen. Das Ergebnis: Nach dem Experiment konnten die Probanden tagelang nicht mehr aufhören, an Tetris zu denken. Manche träumten von den Tetris-Blöcken, andere entdeckten in ihrer Umgebung überall Tetris-ähnliche Formen, sei es bei Gebäuden oder den Frühstückscerealien. Dieser Tetris-Effekt wird durch ein erneutes Abspielen von kognitiven Nachbildern („cognitive afterimage“) im Gehirn bewirkt. Durch das andauernde Tetris spielen wurden in den Gehirnen der Probanden neue neurale Verbindungen gebildet, die den Blick auf die Realität beeinflussten.

Jeder kann seine Ausgangslage verbessern

Was können wir also vom Tetris-Effekt lernen? Das Gehirn gibt vor, wie wir die Welt um uns herum sehen. Unsere Wahrnehmung bestimmt sowohl unsere subjektive Realität und unsere Emotionen. Wir alle tragen Denkmuster mit uns herum, die sich teilweise durch unsere Erziehung oder jahre- und jahrzehntelange Praxis in uns verfestigt haben.

Oftmals herrschen jedoch überwiegend negative Denkmuster vor, d.h. wir scannen unsere Umgebung regelmäßig nicht nach (neutralen) Tetris-Blöcken, sondern nach negativen Dingen – gerne sind es zum Beispiel Fehler oder missliebiges Verhalten anderer Menschen. (Gustav hat mir den Schatz weggeschnappt. Gustav hat Daisy zum Essen eingeladen. Onkel Dagobert will mir nur Böses.)

Nieder mit dem Miesepeter!

Finde den Fehler und Die anderen sind schuld sind leider zwei Grundeinstellungen bzw. Denkmuster, die dem eigenen Glück und Erfolg im Wege stehen. Sie wiegen besonders schwer, wenn sie alle Lebensbereiche erfassen. Also, hinfort mit dem negativen Tetris-Effekt!

Die gute Nachricht: Es ist möglich, sich positive Denkmuster (neu) anzutrainieren. Egal, ob wir von Natur aus eher zu den Optimisten oder den Pessimisten zählen. Die Entdeckung der neuronalen Plastizität, also die Formbarkeit des Gehirns, widerlegt somit den Ausspruch, dass ein alter Hund keine neuen Tricks lernen kann. Jeder kann folglich trainieren, durch positives Denken seine Produktivität und Leistungsfähigkeit zu verbessern. Man muss nur den Scanner für die positiven Dinge im Leben anwerfen. Durch eine positive Grundhaltung ist man zufriedener, leistungsfähiger und weniger gestresst. Der alte Hund muss aber natürlich regelmäßig trainieren, sonst wird das nichts. Also, her mit dem positiven Tetris-Effekt.

Gehirn-Fokus und Spam-Filter

Das Gehirn filtert für uns das heraus, worauf wir es programmiert haben. Wenn es nicht darin geübt ist, Positives zu finden, landen positive Dinge wie beim Mail-Programm im Spam-Ordner und werden gelöscht. Wir ändern also nichts an den eingehenden E-Mails, sondern das, was uns tatsächlich angezeigt wird. Anders ausgedrückt: Wir bilden uns eine positive Filterblase, indem wir den Fokus ändern.  

Über den Tellerrand hinaus – und noch viel weiter! (Bitte mit Buzz Lightyear-Stimme lesen)  

Auf Barbara Fredrickson geht die sogenannte „Broaden and Build Theory“ zurück, wonach positive Gefühle uns kreativer und aufgeschlossener gegenüber neue Ideen machen. Unsere Wahrnehmung wird durch Positivität geweitet – wir können sozusagen über den Tellerrand noch weiter hinaus sehen. Dies hilft uns, zusätzlich mehr geistige, soziale und physische Ressourcen aufzubauen.  

Das Seepferdchen frisst gern positives Futter

Nein, das hat nichts mit Esoterik zu tun. Es lässt sich durch die biochemischen Prozesse in unserem Gehirn begründen. Positive Gefühle fluten unser Gehirn u.a. mit den Botenstoffen Dopamin und Serotonin (daher auch als „Glückshormone“ bekannt). Die erhöhte Ausschüttung dieser Neurotransmitter sorgt nicht nur dafür, dass wir uns gut fühlen, sondern verstärkt auch das Lernzentrum in unserem Gehirn (der sogenannte Hippocampus – wegen seiner Form als „Seepferdchen“ bezeichnet).

Wir können dank positiver Gefühle

  • Informationen besser verarbeiten
  • uns Dinge besser merken und
  • schneller auf diese Dinge zurückgreifen.

Das Mehr an neuronalen Verbindungen befähigen uns, komplexe Sachverhalte besser zu analysieren und Probleme besser zu lösen. Wir entdecken mehr Neues und entwickeln mehr Ideen.

Im wahrsten Sinne des Wortes sehen wir mehr, wenn wir positiv eingestellt sind.

Dies wurde in einer Vielzahl von Experimenten bestätigt. Zum Beispiel waren Ärzte, denen man vorher einen Lutscher geschenkt hat, doppelt so schnell bei der korrekten Diagnosestellung als ihre Kollegen ohne Lutscher. Es hat sich gezeigt, dass selbst kleine positive Dinge unmittelbar die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit verbessern.

Blind vor Pech

Manchmal stehen sich Menschen selbst im Wege, weil sie in dem negativen Denken verhaftet sind, sie hätten immer Pech. Dass ihnen dadurch der Blick vernebelt wird, zeigt dieses Experiment:

Probanden sollten in einer Zeitung zählen, wie viele Fotos enthalten sind. Diejenigen, die angaben, glücklich zu sein, erledigten die Aufgabe in nur ein paar Sekunden. Die nach ihrer eigenen Ansicht unglücklichen Probanden jedoch benötigten durchschnittlich zwei Minuten für die Aufgabe. Wie kam es zu diesem deutlichen Unterschied? Nun, auf Seite 2 war in großer Schrift abgedruckt: „Hören Sie auf zu zählen. Es gibt insgesamt 43 Fotos in dieser Zeitung.“ Die glücklichen Probanden tendierten dazu, die Botschaft direkt zu sehen. Die unglücklichen Probanden hingegen übersahen die Botschaft schlicht. Sie waren verhaftet in einem negativen Tetris-Effekt und konnten, obwohl sie die gleichen Voraussetzungen wie die anderen Probanden hatten, die Botschaft nicht sehen. Ihr Gehirn mit dem Negativ-Filter war unfähig, Möglichkeiten zu sehen.

Das Gehirn mit dem Positiv-Filter, hält die Augen offen für Möglichkeiten. Während die positiv eingestellten Menschen auf Züge aufspringen, beschweren sich die negativ eingestellten Menschen über die falsche Fahrplananzeige.

Zusammengefasst: Manche Menschen sehen ihr Umfeld als einschränkend und deprimierend an. Andere Menschen sehen in demselben Umfeld unbegrenzte Möglichkeiten und sind voller Energie. 

Schön und gut. Und wie kann ich jetzt bitte positiver werden?

Es gibt natürlich weder eine Instant-Lösung noch eine Wunderpille, um glücklich zu sein. Zu den empfohlenen und erwiesenermaßen effektiven Trainingsübungen für eine positive(re) Einstellung und für den positiven Tetris-Effekt zählen zum Beispiel

  • das Kultivieren von Dankbarkeit und
  • das Führen eines Positiv-Tagebuchs.

Wer sich regelmäßig klarmacht, wofür er dankbar sein kann und sich täglich positive Dinge oder Erfahrungen notiert, programmiert sein Gehirn, fortan mehr Gutes im Leben zu registrieren und danach Ausschau zu halten.

Übung macht den Glückspilz

Donald würde vermutlich also gut daran tun (und sich besser fühlen), sich selbst regelmäßig an die guten Dinge in seinem Leben zu erinnern. Schließlich hat er ein Dach über dem Kopf, drei kluge Neffen, gute Freunde wie Daniel Düsentrieb und er erlebt so manches Abenteuer dank seines Onkels.

The Happiness Advantage – The Seven Principles that Fuel Success and Performance at Work

Das Happiness-Prinzip: Wie Sie mit 7 Bausteinen der Positiven Psychologie erfolgreicher und leistungsfähiger werden


Willensstärke – Wie wir das erreichen, was wir uns vornehmen

Gehört Ihr zu der Sorte Menschen, die kontinuierlich ihre Finanzen im Griff haben oder zu denjenigen, die spontanen Kaufräuschen frönen, sich aber dann über den sabotierten Sparplan ärgern?

Willensstärke gilt gemeinhin als eine positive Charaktereigenschaft von erfolgreichen Menschen. Wir alle kennen die Beispiele von prominenten Leistungssportlern, Pop- und Filmstars oder CEOs, die sich ihren Weg vor allem durch jahrelange Beharrlichkeit und Disziplin nach oben gebahnt haben.

Der Erfolg ist mit den Willensstarken

Doch welche Faktoren wirken sich auf die Willensstärke aus?

Kann man Willensstärke eigentlich erlernen oder steigern? Wie kommt es, dass wir trotz besseren Wissens letzten Endes der Tüte Kartoffelchips erliegen?

Roy F. Baumeister und John Tierney gehen in ihrem Buch „Willpower“* (Penguin Books Verlag) diesen Fragen auf den Grund.

Die deutsche Fassung („Die Macht der Disziplin“) ist hier* (Goldmann Verlag) erhältlich.

Baumeister promovierte an der Princeton University und zählt weltweit zu den renommiertesten Psychologie-Experten. Tierney schreibt u.a. für die Wissenschaftskolumne „Findings“ der Zeitung The New York Times.

Für die beiden Autoren steht fest: Selbstkontrolle ist der entscheidende Faktor, um all das zu erreichen, was man sich vornimmt. Sie beschreiben die faszinierenden Resultate von Psychologie-Experimenten und erklären, welche Rolle dabei unser Gehirn spielt, wenn wir Verlockungen widerstehen oder uns beherrschen müssen.

Der „Zeigarnik“-Effekt

Ein Aspekt, den ich für mich persönlich mitgenommen habe, ist der so genannte „Zeigarnik“-Effekt. Dieser beschreibt das Phänomen, dass das Unterbewusstsein uns ständig an Dinge erinnert, die noch nicht erledigt sind. Dies kann entsprechend nervig und belastend sein, wenn ständig etwas im Hinterkopf herumschwirrt. (Ich muss unbedingt noch die Pflanzen gießen.)

Entdeckt wurde dieser Effekt von der russischen Psychologie-Studentin Bluma Zeigarnik. Der Legende zufolge besuchte sie Mitte der 20er Jahre ein Restaurant gemeinsam mit Angehörigen der Universität von Berlin. Der Kellner nahm die Bestellungen auf ohne diese zu notieren und servierte alles fehlerfrei dank eines scheinbar großartigen Gedächtnisses. Nachdem alle das Restaurant verlassen hatten, musste eine Person noch einmal zurück, weil sie etwas dort hatte liegen lassen. Doch der Kellner konnte sich weder an die Person erinnern, noch wo diese gesessen hatte. Er erklärte, dass er sich jede Bestellung nur so lange merkte bis das Gericht serviert worden war.

Doch wie kann man den „Zeigarnik“-Effekt nutzen?

Den „Zeigarnik“-Effekt kann man nun beispielsweise bei unerledigten Aufgaben nutzen, indem man einen Plan definiert, wann, wie oder wo die jeweilige Aufgabe erledigt werden soll. Sobald dieser Plan steht, stellt man in seinem Kopf die ständige Erinnerung des Unterbewusstseins ab und kann sich so auf andere Dinge konzentrieren. Mit anderen Worten, bevor die To Dos einen paralysieren, trag sie in einen Kalender ein. So muss man sich nicht sofort um die Aufgaben kümmern und setzt sich nicht unter Druck. (Folglich habe ich jetzt beschlossen, die Pflanzen jeden Sonntag Abend zu gießen.)

Lektüre für Lernwillige

Das Buch ist leichtfüßig und humorvoll verfasst, garniert mit Beispielen prominenter Persönlichkeiten wie Benjamin Franklin, Eric Clapton oder Oprah Winfrey. Anhand von typischen Alltagssituationen wird zudem erläutert, welche Phänomene menschlicher Verhaltensmuster durch sozialwissenschaftliche Experimente bereits ergründet worden sind.

Die Autoren geben wertvolle Hinweise zu Strategien, Hilfsmitteln und Tipps, wie man das eigene Verhalten durch das Wissen um die Mechanismen der Willenskraft beeinflussen kann. Also ein „Must-Read“-Buch für alle, die ihre gesteckten Ziele umsetzen möchten bzw. an der persönlichen Weiterentwicklung arbeiten möchten.  

Willpower

Die Macht der Disziplin


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