Dankbarkeit ist eine gute Medizin

Neulich sagte ein Freund zu mir: „Wenn man während der Pandemie im Home Office ist, kann man über zwei Dinge froh sein: Erstens, man hat ein Dach über dem Kopf und zweitens, man hat Arbeit.“ Ich pflichtete ihm bei. Sich immer wieder seiner Privilegien bzw. der positiven Dinge im eigenen Leben bewusst zu werden, kann dabei helfen, die Dinge in ein gesundes Verhältnis zu rücken.

Fehlt uns jegliche Wertschätzung und Dankbarkeit, sind wir weniger geschützt vor destruktiven Empfindungen und Gedanken wie Neid, Ärger, Stress, Gier und Bitterkeit. Dankbarkeit hilft uns, mehr Verständnis und Empathie anderen Menschen gegenüber aufzubringen sowie Freude für die positiven Dinge im Leben zu empfinden.

In seinem Buch Thanks! How Practicing Gratitude Can Make You Happier* (erschienen im Houghton Mifflin Verlag), dt Fassung: Vom Glück, dankbar zu sein.: Eine Anleitung für den Alltag* (erschienen im Campus Verlag) erläutert Dr. Robert A. Emmons, wie wir Dankbarkeit trainieren können und wie sich dies positiv auswirkt auf unsere Psyche, Gesundheit und zwischenmenschlichen Beziehungen. Dr. Emmons lehrt an der University of California und ist Chefredakteur des Journal of Positive Psychology.

Was bedeutet Dankbarkeit?

Wikipedia sagt: Dankbarkeit ist ein positives Gefühl oder eine Haltung in Anerkennung einer materiellen oder immateriellen Zuwendung, die man erhalten hat oder erhalten wird. Man kann dem Göttlichen, den Menschen oder sogar dem Sein gegenüber dankbar sein, oder allen zugleich.

Das englische Wort für Dankbarkeit lautet Gratitude, abgeleitet aus dem Lateinischen (gratus = dankbar, angenehm, anmutig, erwünscht, willkommen). Für das Verständnis von Gratitude sind laut Dr. Emmons zwei Aspekte wichtig:

1. Das Positive im Leben anerkennen (Acknowledging)

Man bestätigt, dass es sich insgesamt lohnt, zu leben. Dass das uns Gegebene einen Wert hat und uns befriedigt.

2. Realisieren, dass wir Positives nicht immer uns selbst zu verdanken haben (Recognizing)

Dankbarkeit ist somit nicht nur ein positives Gefühl, sondern die Bereitschaft, anzuerkennen, dass

  • man ein Nutznießer der Güte anderer ist
  • der/die Wohltäter bewusst etwas angedient hat/haben, oftmals unter persönlichem Aufwand
  • das Angediente für den Nutznießer von Wert ist

Dankbarkeit bedeutet auch, bescheiden zu sein. Zu realisieren, dass wir ohne die Hilfe oder Unterstützung anderer Menschen nicht so weit gekommen wären im Leben bzw. dass wir nicht das Leben führen könnten, wie wir es tun. In anderen Worten: Dankbar sein ist ein Dreiklang aus realisieren, anerkennen und wertschätzen.   

Gratitude is an Attitude – Dankbarkeit ist eine Haltung

Dankbar zu sein ist eine Lebenseinstellung. Wir können uns aktiv dafür entscheiden. Dies hängt nicht von den tatsächlichen Lebensumständen ab, wie gesund, wie reich wir sind oder wie viele Freunde wir haben. Wir bestimmen, welche positiven Aspekte unseres Lebens wir bewusst anerkennen wollen anstatt negativen Aspekten anzuhängen. Indem wir wertschätzen, welche Geschenke uns das Leben bereitet, befreien wir uns beispielsweise von Bedauern über die Vergangenheit, Sorgen um die Zukunft und Neid darüber, was andere haben oder Enttäuschung darüber, wer wir nicht sind. Dankbarkeit macht das Leben nicht perfekt, aber sie erinnert uns an das Gute im Leben. Dies ist nicht immer einfach und erfordert Arbeit.  

Wie glücklich wir sind, hängt von drei wesentlichen Faktoren ab: Zu

  • 50 % von unserer Prädisposition (Set-Point)
  • 40 % von unseren Handlungen (Intentional Activity)
  • 10 % von äußeren Umständen (Circumstances)

Die Untersuchungen von Dr. Emmons haben gezeigt, dass man durch die regelmäßige Praxis, Dankbar zu sein, den Happiness Set-Point um 25 % steigern kann.   

Dankbarkeit kann man trainieren

Dr. Emmons präsentiert am Ende des Buches zehn Übungen, die erwiesenermaßen dabei helfen, mehr Dankbarkeit zu empfinden. Der Effekt der Übungen verstärkt sich gegenseitig. Hier eine kurze Auswahl:

1. Führe ein Dankbarkeits-Tagebuch

Reflektiere und notiere täglich die Dinge, für die Du dankbar bist (z.B. Interaktionen, Erlebnisse, Geschenke, Komplimente, etc.). Diese Einträge können auch super kurz sein.   

2. An schlechte Zeiten denken

Erinnern wir uns an Zeiten und Situationen zurück, in denen es uns nicht gut ging oder wir es besonders schwer hatten. Vergleichen wir dies nun mit unserer jetzigen Situation, führen wir uns einen Kontrast vor Augen, der uns hilft, dankbarer zu sein.  

3. Naikan (Looking Inside) – Stelle Dir 3 Fragen

Bei der buddhistischen Meditationstechnik von Yoshimoto Ishina soll man sich täglich diese drei Fragen stellen:

1. Was habe ich von wem erhalten? (gifts received)

2. Wem habe ich was gegeben? (what we give to others)

3. Habe ich jemandem Schwierigkeiten und Probleme bereitet? (source of others’

suffering)

In einem Brief an seine Eltern schrieb der Theologe Dietrich Bonhoeffer 1943 diese Zeilen: „Im normalen Leben wird einem oft gar nicht bewusst, dass der Mensch überhaupt unendlich mehr viel mehr empfängt, als er gibt, und dass Dankbarkeit das Leben erst reich macht.“

Du kannst froh sein, dass…“ und „Du kannst von Glück reden, dass…“. Dies sind mahnende Aussprüche, die wir oft hören, wenn Freunde oder Familie uns daran erinnern, wie gut wir es eigentlich haben. Wir sollten uns vornehmen, uns aktiv selbst daran zu erinnern.  

Wofür / Wem bist Du heute dankbar?

Thanks! How Practicing Gratitude Can Make You Happier*

Vom Glück, dankbar zu sein.: Eine Anleitung für den Alltag*

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