Als Kind habe ich die Comic-Reihe Lustiges Taschenbuch* geliebt. Insbesondere die Geschichten, in denen Pechvogel Donald Duck sich gegen seinen Cousin und Rivalen Gustav Gans behaupten muss. Gustav, dem ewigen Glückspilz, fliegen die Dinge mühelos zu. Er geht froh gelaunt durch’s Leben und muss sich nie mit Sorgen oder gar lästiger Arbeit quälen. Über Donald hängt hingegen eine dunkle Regenwolke. Seine drei Neffen tanzen ihm auf der Nase herum. Zudem ist er ständig von Geldsorgen geplagt und muss widerwillig die Aufgaben erledigen, die ihm sein Onkel Dagobert überträgt.

Drei Zutaten für’s Glücklich sein

Aber anstatt den Umständen die Schuld an seiner Misere zu geben, was kann Pechvogel Donald tun, damit es ihm besser geht? Hier hat die Wissenschaft gezeigt, dass der alte Kalenderspruch „Jeder ist seines Glückes Schmied“ tatsächlich stimmt.   

In seinem Buch „The Happiness Advantage – The Seven Principles that Fuel Success and Performance at Work”* – Virgin Books (Deutsche Fassung: Das Happiness-Prinzip: Wie Sie mit 7 Bausteinen der Positiven Psychologie erfolgreicher und leistungsfähiger werden* – Unimedica Verlag) stellt Shawn Achor sieben Prinzipien aus der Positiven Psychologie vor, mit jeweils praktischen Tipps zur Anwendung.

Shawn Achor hat als Studienassistent den damals beliebtesten Kurs an der Harvard University (über Happiness) zusammen mit seinem Mentor Tal Ben-Shahar entwickelt und gelehrt.

Natürlich hat jeder seine persönliche Vorstellung von Glück. Gemeint ist hier allerdings nicht das Glück (EN: Luck), in der Lotterie zu gewinnen, sondern Glücklich sein (EN: Happiness). Die Wissenschaft definiert Happiness u.a. als das Erleben von positiven Gefühlen – Freude gepaart mit tiefen Gefühlen der Relevanz und Sinnhaftigkeit. Glücklich sein bedeutet also auch einfach gesagt, gute Laune im Hier und Jetzt zu haben und positiv in die Zukunft zu blicken. Happiness besteht nach einem der wissenschaftlichen Väter der Positiven Psychologie Martin Seligmann aus der Kombination von drei Komponenten:

  • Freude (Pleasure)
  • Engagement
  • Zweck (Purpose)

Laut Achor ist Glücklich sein mehr als nur ein gutes Gefühl. Es ist die unverzichtbare Zutat für Erfolg.

Glück oder Erfolg – Um was dreht es sich hier?   

Im 16. Jahrhundert widersprach der preußische Arzt und Astronom Nikolaus Kopernikus der bis dato vorherrschenden Weltanschauung, dass sich die Erde im Zentrum des Universums befände und dass die Sonne sich um die Erde drehen würde. Die Tatsache, dass es sich genau umgekehrt verhält, war damals im wahrsten Sinne des Wortes eine bahnbrechende Erkenntnis.

Eine ähnliche grundlegende Erkenntnis-Umkehr findet seit den 1990er Jahren auf dem Gebiet der Psychologie statt. Seit Generationen wurde angenommen, dass Glück um Erfolg kreist. Mit anderen Worten: Wenn Du hart genug arbeitest, wirst Du eines Tages auch erfolgreich sein. Und wenn Du erfolgreich bist, dann bist Du glücklich. Das Glück winkte sozusagen am Ende der Anstrengungen als Belohnung. Doch die Forschung in den Bereichen der Positiven Psychologie und Neurowissenschaften hat mittlerweile gezeigt, dass es genau umgekehrt ist:

Erfolg kreist um Glück.

Nur wenn wir uns glücklich fühlen und positiv eingestellt sind, sind wir erfolgreich. Erfolg ist sozusagen nur ein Beiprodukt von Glücklich sein. Und dies gilt für nahezu jeden Lebensbereich, sei es Karriere, Gesundheit, Freundschaft, Beziehungen, gesellschaftliche Teilhabe oder Kreativität. Unser Gehirn ist am leistungsfähigsten, wenn wir positiv eingestellt sind und nicht, wenn wir neutral oder negativ eingestellt sind. D.h. wenn wir glücklich sind bzw. gute Laune haben und positiv eingestellt sind, sind wir klüger, motivierter und somit auch erfolgreicher. Doch dazu später mehr. Glück steht im Zentrum, Erfolg kreist in der Umlaufbahn von Glück. Um es nochmals deutlich zu sagen: Glücklich sein ist ursächlich für Erfolg, nicht umgekehrt!

Wie die Tetris-Welt unsere Realität bestimmt

In einer Studie der Harvard Medical School sollten 27 Probanden für mehrere Stunden täglich Tetris spielen. An drei aufeinanderfolgenden Tagen. Das Ergebnis: Nach dem Experiment konnten die Probanden tagelang nicht mehr aufhören, an Tetris zu denken. Manche träumten von den Tetris-Blöcken, andere entdeckten in ihrer Umgebung überall Tetris-ähnliche Formen, sei es bei Gebäuden oder den Frühstückscerealien. Dieser Tetris-Effekt wird durch ein erneutes Abspielen von kognitiven Nachbildern („cognitive afterimage“) im Gehirn bewirkt. Durch das andauernde Tetris spielen wurden in den Gehirnen der Probanden neue neurale Verbindungen gebildet, die den Blick auf die Realität beeinflussten.

Jeder kann seine Ausgangslage verbessern

Was können wir also vom Tetris-Effekt lernen? Das Gehirn gibt vor, wie wir die Welt um uns herum sehen. Unsere Wahrnehmung bestimmt sowohl unsere subjektive Realität und unsere Emotionen. Wir alle tragen Denkmuster mit uns herum, die sich teilweise durch unsere Erziehung oder jahre- und jahrzehntelange Praxis in uns verfestigt haben.

Oftmals herrschen jedoch überwiegend negative Denkmuster vor, d.h. wir scannen unsere Umgebung regelmäßig nicht nach (neutralen) Tetris-Blöcken, sondern nach negativen Dingen – gerne sind es zum Beispiel Fehler oder missliebiges Verhalten anderer Menschen. (Gustav hat mir den Schatz weggeschnappt. Gustav hat Daisy zum Essen eingeladen. Onkel Dagobert will mir nur Böses.)

Nieder mit dem Miesepeter!

Finde den Fehler und Die anderen sind schuld sind leider zwei Grundeinstellungen bzw. Denkmuster, die dem eigenen Glück und Erfolg im Wege stehen. Sie wiegen besonders schwer, wenn sie alle Lebensbereiche erfassen. Also, hinfort mit dem negativen Tetris-Effekt!

Die gute Nachricht: Es ist möglich, sich positive Denkmuster (neu) anzutrainieren. Egal, ob wir von Natur aus eher zu den Optimisten oder den Pessimisten zählen. Die Entdeckung der neuronalen Plastizität, also die Formbarkeit des Gehirns, widerlegt somit den Ausspruch, dass ein alter Hund keine neuen Tricks lernen kann. Jeder kann folglich trainieren, durch positives Denken seine Produktivität und Leistungsfähigkeit zu verbessern. Man muss nur den Scanner für die positiven Dinge im Leben anwerfen. Durch eine positive Grundhaltung ist man zufriedener, leistungsfähiger und weniger gestresst. Der alte Hund muss aber natürlich regelmäßig trainieren, sonst wird das nichts. Also, her mit dem positiven Tetris-Effekt.

Gehirn-Fokus und Spam-Filter

Das Gehirn filtert für uns das heraus, worauf wir es programmiert haben. Wenn es nicht darin geübt ist, Positives zu finden, landen positive Dinge wie beim Mail-Programm im Spam-Ordner und werden gelöscht. Wir ändern also nichts an den eingehenden E-Mails, sondern das, was uns tatsächlich angezeigt wird. Anders ausgedrückt: Wir bilden uns eine positive Filterblase, indem wir den Fokus ändern.  

Über den Tellerrand hinaus – und noch viel weiter! (Bitte mit Buzz Lightyear-Stimme lesen)  

Auf Barbara Fredrickson geht die sogenannte „Broaden and Build Theory“ zurück, wonach positive Gefühle uns kreativer und aufgeschlossener gegenüber neue Ideen machen. Unsere Wahrnehmung wird durch Positivität geweitet – wir können sozusagen über den Tellerrand noch weiter hinaus sehen. Dies hilft uns, zusätzlich mehr geistige, soziale und physische Ressourcen aufzubauen.  

Das Seepferdchen frisst gern positives Futter

Nein, das hat nichts mit Esoterik zu tun. Es lässt sich durch die biochemischen Prozesse in unserem Gehirn begründen. Positive Gefühle fluten unser Gehirn u.a. mit den Botenstoffen Dopamin und Serotonin (daher auch als „Glückshormone“ bekannt). Die erhöhte Ausschüttung dieser Neurotransmitter sorgt nicht nur dafür, dass wir uns gut fühlen, sondern verstärkt auch das Lernzentrum in unserem Gehirn (der sogenannte Hippocampus – wegen seiner Form als „Seepferdchen“ bezeichnet).

Wir können dank positiver Gefühle

  • Informationen besser verarbeiten
  • uns Dinge besser merken und
  • schneller auf diese Dinge zurückgreifen.

Das Mehr an neuronalen Verbindungen befähigen uns, komplexe Sachverhalte besser zu analysieren und Probleme besser zu lösen. Wir entdecken mehr Neues und entwickeln mehr Ideen.

Im wahrsten Sinne des Wortes sehen wir mehr, wenn wir positiv eingestellt sind.

Dies wurde in einer Vielzahl von Experimenten bestätigt. Zum Beispiel waren Ärzte, denen man vorher einen Lutscher geschenkt hat, doppelt so schnell bei der korrekten Diagnosestellung als ihre Kollegen ohne Lutscher. Es hat sich gezeigt, dass selbst kleine positive Dinge unmittelbar die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit verbessern.

Blind vor Pech

Manchmal stehen sich Menschen selbst im Wege, weil sie in dem negativen Denken verhaftet sind, sie hätten immer Pech. Dass ihnen dadurch der Blick vernebelt wird, zeigt dieses Experiment:

Probanden sollten in einer Zeitung zählen, wie viele Fotos enthalten sind. Diejenigen, die angaben, glücklich zu sein, erledigten die Aufgabe in nur ein paar Sekunden. Die nach ihrer eigenen Ansicht unglücklichen Probanden jedoch benötigten durchschnittlich zwei Minuten für die Aufgabe. Wie kam es zu diesem deutlichen Unterschied? Nun, auf Seite 2 war in großer Schrift abgedruckt: „Hören Sie auf zu zählen. Es gibt insgesamt 43 Fotos in dieser Zeitung.“ Die glücklichen Probanden tendierten dazu, die Botschaft direkt zu sehen. Die unglücklichen Probanden hingegen übersahen die Botschaft schlicht. Sie waren verhaftet in einem negativen Tetris-Effekt und konnten, obwohl sie die gleichen Voraussetzungen wie die anderen Probanden hatten, die Botschaft nicht sehen. Ihr Gehirn mit dem Negativ-Filter war unfähig, Möglichkeiten zu sehen.

Das Gehirn mit dem Positiv-Filter, hält die Augen offen für Möglichkeiten. Während die positiv eingestellten Menschen auf Züge aufspringen, beschweren sich die negativ eingestellten Menschen über die falsche Fahrplananzeige.

Zusammengefasst: Manche Menschen sehen ihr Umfeld als einschränkend und deprimierend an. Andere Menschen sehen in demselben Umfeld unbegrenzte Möglichkeiten und sind voller Energie. 

Schön und gut. Und wie kann ich jetzt bitte positiver werden?

Es gibt natürlich weder eine Instant-Lösung noch eine Wunderpille, um glücklich zu sein. Zu den empfohlenen und erwiesenermaßen effektiven Trainingsübungen für eine positive(re) Einstellung und für den positiven Tetris-Effekt zählen zum Beispiel

  • das Kultivieren von Dankbarkeit und
  • das Führen eines Positiv-Tagebuchs.

Wer sich regelmäßig klarmacht, wofür er dankbar sein kann und sich täglich positive Dinge oder Erfahrungen notiert, programmiert sein Gehirn, fortan mehr Gutes im Leben zu registrieren und danach Ausschau zu halten.

Übung macht den Glückspilz

Donald würde vermutlich also gut daran tun (und sich besser fühlen), sich selbst regelmäßig an die guten Dinge in seinem Leben zu erinnern. Schließlich hat er ein Dach über dem Kopf, drei kluge Neffen, gute Freunde wie Daniel Düsentrieb und er erlebt so manches Abenteuer dank seines Onkels.

The Happiness Advantage – The Seven Principles that Fuel Success and Performance at Work

Das Happiness-Prinzip: Wie Sie mit 7 Bausteinen der Positiven Psychologie erfolgreicher und leistungsfähiger werden

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